20 November 2019

Kleiner Fichtelbergmarsch



Die Darstellung des höchsten Berges in Sachsen ist etwas gestaucht. In Wirklichkeit sind die Höhenmeter auf viele Kilometer verteilt. Nur auf den letzten Kilometern wird es richtig steil. Der Fichtelbergmarsch startet wie wir in Chemnitz, allerdings sind wir mit der Erzgebirgsbahn bis Cranzahl gefahren. Das ist doch deutlich entspannter und am Ende sind es bei uns gerade mal 30km.



Das Bahngelände von Cranzahl ist historisch gut erhalten. Schmierereien und Müll finden wir nicht, es geht also auch anders. Auf einem Abstellgleis bestaunen wir eine alte Dampflok und einen Schneepflug auf Schienen. Klasse!



Den ersten Stopp auf unserer Wanderung ist an der Hubertushalle. Zwei Blockhäuser und ein überdachter Grillbereich mit Feuerstelle laden zur Rast ein. Ein Thermometer zeigt 0°C, die Türe zum Outdoorklo steht offen. Hier wird in der wärmeren Jahreszeit die Hölle los sein.



Die Wege sind gut ausgeschildert, spätestens an den Kreuzungen wird angezeigt, wohin der Weg führt. Zusätzlich dazu haben wir noch eine Offlinekarte dabei und der Satellit lässt uns nicht im Stich. Wir stellen allerdings fest, dass einige Wege zugewuchert sind, oder umgestürzte Bäume den Weitermarsch verhindern. Zur Not weichen wir einfach auf die Hauptwege aus. Diese sind für die Forstwirtschaft und auch befahrbar.



Die letzten beiden Kilometer ziehen sich unheimlich in die Länge. Unser ständiger Wegbegleiter, der Nebel, wird immer dichter. Schade, die Sicht beträgt keine 100m. Doch ein Hochgefühl über die überstandene Besteigung macht sich trotzdem breit. So gönnen wir uns einen kurzen Aufenthalt in der Kneipe. Schnell sind wir wieder auf Temperatur und der Abstieg kann starten: Wir entscheiden uns natürlich für den Start an der Rodelstrecke. Die Sträucher sind schon vereist, doch Schnee liegt keiner.



Wenige Meter weiter treffen wir auf die Überbleibsel einer alten Bobbahn. Sie könnte bestimmt gerettet werden, aber das Geld wird lieber in andere touristische Highlights investiert. Zum Beispiel die längste Flyline der Welt. Zusätzlich gibt es natürlich noch die Gondel und ein Schlepplift für die Skifahrer.



Unsere Vorplanung hat mit einer deutlich höheren Durchschnittsgeschwindigkeit gerechnet. Damit ergibt sich für uns das Problem, dass wir uns sputen müssen. Die letzten 5km müssen wir in Rekordtempo zurücklegen, wobei mir dazu die Energie fehlt. Unser Zug fährt kurz vor 17 Uhr und der letzte Zug kurz vor 18 Uhr. Nach einer kurzen Diskussion einigen wir uns auf den letzten Zug. Damit können wir etwas entspannter laufen.



Doch da kommt plötzlich ein Bus zu uns. Da wir zufällig an einer Haltestelle stehen, hält er tatsächlich an: Schienenersatzverkehr! Und wir können mitfahren :) So werden die restlichen 5km Wanderung gegen eine dreiviertelstunde Fahrt in einem alten Bus getauscht. Und obwohl wir bestimmt 25km gefahren sind, werden wir pünktlich am Bahnhof abgeliefert. Das hat uns dann doch sehr gut gefallen. Bis Chemnitz mit der Erzgebirgsbahn, dann vom Hauptbahnhof bis Bahnhof Mitte mit dem Zwickauer Zug. Und noch einmal umsteigen auf den Ringbus, der genau vor meinem geparkten Auto anhält. So macht der Öffentliche Verkehr Spaß!

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