Pünktlich um 17 Uhr stehe ich vor der Bühne und schaue mir eine Band nach der anderen an. Zwischendurch gönne ich mir eine Thüringer Rostbratwurst für fünf und ein Bier für 4,50 Euro.
Gegen halb neun beschließe ich, noch kurz zum Auto zu laufen, denn mir fröstelt und ich habe eine kleine Gänsehaut. Da kommen mir die Lüneburger entgegen. Sie haben noch fröhlich stundenlang im See gebadet. Sie haben jetzt Hunger und das trifft sich gut, denn da finde ich sie mit Sweatshirt bewaffnet bestimmt gut wieder.
Sehr ungewöhnlich, dass ich wirklich der einzige bin, der in Richtung Zelt läuft. Und auch hier ist alles verlassen. Also tausche ich in Rekordzeit die Sonnenbrille gegen die Normale, werfe mir noch den Kapuzenpulli über und schnell zurück ins Getümmel.
Schnell entdecke ich die wartende Meute. Bevor wir nach vorne stürmen, hole ich noch eine Runde Getränke, denn Goitzsche Front spielt deutlich länger als alle anderen!
Die Mädels haben sich gleich zur Treppe abgeseilt, auf der aber niemand sitzen darf, denn hier ist der Notausgang! Aber das konnte ich ihnen nicht mehr zurufen, so schnell waren sie verschwunden. Sie sind wir eben zu dritt. Spätestens beim zweiten Lied stelle ich fest, dass René sehr textsicher ist. Und scheinbar gibt es heute abend für ihn nur bekannte Lieder. Ich kenne zwar auch viele, aber zum Beispiel habe ich es verpasst, dass Goitsche Front nachmittags am Strand das neue Lied Jugend von Gestern geprobt haben.
Langsam rächen sich die 20.000 Schritte, denn mir tun die Beine weh. Der gepflasterte Untergrund ist auch ungünstig. So hüpfe ich im Takt mit, um die Schmerzen zu vergessen. Doch die zweieinhalb Stunden verfliegen trotzdem schnell. Nicht nur die Lieder gehen ab, sondern es werden auch viele Bengalos gezündet. Bühne, Band und Zuschauer sind in helles rot getaucht. Schade, dass meine Sonnenbrille im Auto liegt. Wir stehen aber ca. in der zehnten Reihe, haben also auch das Publikum im Blick: Hände klatschen, Bier werfen, Moshpit, auf Papas Schultern sitzen, nur übergewichtige Fleischklopse kamen nicht über den Köpfen vorbei...
Als die Zugabe durch ist, fragt mein Lüneberger Heidschnucki René, ob ich noch bei Killermichel bleibe. Er warnt mich aber gleich vor, dass das ein bekannter Mallorcasänger ist. Ok, wir sind ja nur noch zu zweit, da will ich ihn nicht alleine stehen lassen. Außerdem scheint er ganz versessen darauf zu sein. Wir gehen ein paar Meter nach vorne und nehmen uns einfach einen freien Platz vor der Bühne. Und schon geht es los: die Boxen geben alles und Killermichel setzt an. Was für ein Kontrastprogramm! Ich halte trotzdem bis 24 Uhr durch, danach gehen eh die Lichter aus.






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