22 November 2017

Festung Königstein - die verschlossenen Räume



Nachdem wir das Areal einmal an der Außenmauer abgelaufen sind und uns auch schon einige Gebäude von Innen angeschaut haben, lassen wir uns auf eine zweistündige Führung ein. Hier erfahren wir interessante Details und der Generalschlüssel öffnet uns auch viele Türen. Schon der Eingangsbereich ist mehrfach geschützt: schwere Zugbrücken zum Hochklappen, Holzbrücken zum schnellen Abbau, Tor mit Torwachen, Schützen und Kanoniere. Holztor, Steinschmeiße, Pechnase, Balkenfalze, Fallpalisade, eisernes Tor und Caponnière (Gang mit Schießscharten zur Verteidigung des Aufgangs).



August der Starke ist dem Alkohol nicht abgeneigt und beauftragt 1725 den Bau des größten Weinfass. Es passen 238.000 Liter in das Gefäß. Leider kann das Holz dem großen Druck nicht lange stand halten. Doch die Böttcher und Küfer sind nicht auf den Kopf gefallen und bauen in das große Fass, das nur noch als Hülle dient, ein wesentlich kleineres Weinfass. Nun passt wieder alles und die Feste können gefeiert werden.



Die Kellerräume haben entweder kleine Schießscharten zur Verteidigung oder sind gleich fensterlos? Doch wie haben die Baumeister die Versorgung mit Sauerstoff sichergestellt? Ganz einfach mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem, welches der heutigen Klimaanlagentechnik sehr ähnelt. Nur ohne Strom und Stress. Ebenso haben sie Mörtel verwendet, der nicht wasseranziehend ist und somit auch nicht schimmelt. Da könnten sich die heutigen Handwerker aber einiges an Wissen abschauen! Und bei starkem Regen drückt das Wasser durch die Wand, läuft daran runter, gelangt in eine Abflussrinne mit Gefälle und wird anschließend abgeleitet und in der Parkzisterne gesammelt. So machen wir das heute noch, indem das Regenwasser in Tonnen gesammelt wird, um an heißen Tagen zum Bewässern der Pflanzen zu dienen.



Die Festung wurde nie angegriffen, das wäre eh zum Scheitern verurteilt gewesen: der 152,5m tiefe Brunnen zur Trinkwasserversorgung. Für die Selbstversorgung gab es Tiere und Pflanzen innerhalb der Festung. Deshalb wurde hier in Krisenzeiten auch der sächsische Staatsschatz und Kunstschätze gehortet. Aber es konnte auch gut gefeiert werden. Im Laufe der Jahrhunderte ergaben sich unterschiedliche Nutzungen: Zufluchtsort der sächsischen Königsfamilie, Lazarett, Verteidigungsanlage, Staatsgefängnis, Kriegsgefangenenlager, Jugendwerkhof und heutzutage militärhistorisches Freilichtmuseum. Bis zum zweiten Weltkrieg waren die Gebäude beschussfest.



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