7:45 Uhr treffen sich die Schalmeien am Busbahnhof. Da muss ich meinen Wecker auf eine Uhrzeit stellen, die ich seit Jahren nicht mehr benötige. An einem Arbeitstag genügt es vollkommen, wenn ich mich gegen acht Uhr aus den Federn quäle. Doch heute haben wir einen Bildungsauftrag, so nehme ich das in Kauf und stehe schon um sechs Uhr auf. Meine FaceID hätte mich nicht erkannt, aber ich habe privat kein iPhone. Beherzt trete ich in die Pedale und bin schon 7:30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt. Mein persönlicher Rekord! Langsam trudeln auch die Spielerinnen und Spieler ein.
Die Fahrt zieht sich etwas, aber zuerst geht es über die Autobahn und die letzten Kilometer übers Land. Kurz vor 10:00 Uhr stehen wir vor der Deutschen Meisterwerkstatt für Blechblasinstrumente Voigt in Markneukirchen. Mein letzter Besuch war 2009 und kann hier nachgelesen werden.
Die Chefin Kerstin Voigt führt uns durch die Hallen und wir erfahren, dass sie die einzigen Schalmeienbauer sind und europaweit Kunden haben. Der Anteil der Schalmeien liegt bei 20% und ungefähr 50 Neuinstrumente verlassen jedes Jahr die Werkstatt. Die Zukunft sieht nicht rosig aus, da die Preise explodieren und viele Kunden auf Förderprogramme angewiesen sind.
Wir erfahren vieles über die Herstellverfahren und bestaunen alte Maschinen, aber auch neueste Technologie wie CNC-Maschinen. Aktuell arbeiten 46 Mitarbeitende und erschaffen in hochwertiger Handarbeit die Musikinstrumente. Bei der Schalmei ist das schwierigste Bauteil die Maschine. Hier müssen die Ventile eingepast werden, die Schalltrichter passgenau in die Löcher eingepasst werden, um anschließend verlötet zu werden. Es darf keine Luft entweichen oder eine falsche Stimme zum klingen gebracht werden. Alles gar nicht so einfach und erfordert viel handwerkliches Geschick.
An einem großen Tisch sehen wir dann alle Einzelteile, die für die Schalmei benötigt werden. Alle Achtung! Das hätte ich nicht gedacht, dass es sooo viele sind! Dagegen wirkt eine Knarre der Bundeswehr sehr simpel. Und mit dem Zusammenbau ist es nicht getan. Jedes Gerät muss aufwändig gestimmt werden. Am Ende der Herstellung wird alles auf Hochglanz poliert. Wenn ich mir in Erinnerung rufe, wie teilweise mit den Instrumenten umgegangen wird, läuft mir das kalte Grausen den Rücken rauf und runter. Problem: die Instrumente gehören dem Verein und nicht den Spielern. Und schon landet es sorglos in irgendeiner Ecke. Falls was kaputt geht, zahlt die Reparatur ebenfalls der Verein. Es gibt aber auch Vereine, die das anders handhaben.
Um die explodierenden Materialkosten zu reduzieren, wird fieberhaft nach neuen Materialien und Technologien gesucht. So wird aktuell geprüft, ob die Maschine per 3D-Drucker erzeugt werden kann und wie sie sich dann im Einsatz schlägt. Ebenfalls darf das Verfahren Schwarznickel-Beschichtung nicht mehr zum Einsatz kommen, da gesundheitsgefährdende Stoffe beim längeren Halten aufgenommen werden können. Das ist natürlich eine schlechte Nachricht, da die Schalmeienzunft als einzige Kapelle die Instrumente in schwarz-goldener Optik haben.
Am Ende der tollen Führung gelangen wir in den Verkaufsraum. Hier hängen allerlei Blechblasinstrumente am Haken. Während die meisten sich staunend umsehen, werden die kaputten Instrumente zur Reparatur abgegeben. Am Bus erwartet uns ein kleiner Snack, damit die Truppe nicht aus den Latschen kippt. Die Heimfahrt verläuft wieder ohne Probleme und ich radle das letzte Stück nach Hause.






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