02 Dezember 2023

Webcamspielereien

Die Webcam liefert gute Bilder, die ich mir auf der App anschauen kann. Stream und Nachtsicht ist ebenso klasse. Nun will ich natürlich mit Fremdsoftware auf den Stream zugreifen. Ich lese mich in RTSP und ONVIF ein, installiere weitere Software, schaue viele Erklärbärvideos. Doch nichts hilft, ich kann die Kamera ausschließlich mit der Herstellerapp nutzen.
Dann stosse ich auf ein Handbuch und entdecke eine genaue Anleitung. Der Hersteller sträubt sich also nicht, auch andere Varianten zu beschreiben. Problem: der entsprechende Menüpunkt fehlt in meiner App! Zufällig erhalte ich von Marlene vom Supportteam eine Email. Das passt! Schnell formuliere ich mein Problem und erhalte auch ungehend Antwort: die Doku bezieht sich auf die Kamera mit fester Stromversorgung. Meine Kamera arbeitet mit Akku und Solarpanel. Dort ist dieser Punkt nicht vorhanden. Schade! Dass der Hersteller explizit auf Sachen hinweist, die das Produkt nicht bietet, kann ich natürlich nicht erwarten.

Doch schon habe ich ein neues Problem: bunte farbige Balken, die das halbe Kamerabild verdecken. Was ist denn das nun wieder? Ich versuche Neustarts und klicke in allen Menüpunkten umher. Doch die bunten Streifen bleiben. Ist ja wie ein Testbild oder sowas... Die App ist doch kostenlos. Da ich es nicht verstehe, schreibe ich die nächste Email an den Support. Jetzt, wo ich Marlene schon kenne! Aber dieses Mal erhalte ich keine Antwort, könnte sein, dass es einfach an der Uhrzeit liegt. Irgendwann hat jeder Feierabend. Ich bin so aufgedreht, deshalb klicke ich fröhlich weiter. Und stosse dabei auf den Punkt Datenschutz. Oh, was ist denn das? Aha, damit können bestimmte Bereiche im Bild ausgeblendet werden. Und ratet mal, wie das auf der App und in den Fotos und Videos aussieht? Richtig: viele bunte Streifen. Vielleicht sollte ich langsam meine Adresse in meine Schlüpper einnähen. Sischor is sischor!

Nun überlege ich weiter und mit viel Glück bekomme ich es hin, dass ich mich über den VPN-Tunnel verbinde und die App das Kamerabild überträgt. Dazu gehe ich in den Keller und erkenne, dass mein WLAN im Handy nicht bis zum Erdgeschoss reicht. Gute Voraussetzung für einen Test! Ich versuche mich über mein VPN zu verbinden, doch die Verbindung kann nicht hergestellt werden. Später stellt sich heraus, dass ich im Keller einfach NULL Empfang habe. Aber egal. Ich schnappe die Kamera, die ich auf einen Tisch abgestellt habe, gehe zur Türe, schließe das Vorhängeschloss und beim Klick stelle ich fest, irgendwas ist nicht so, wie es sein soll: beim Runterlaufen hatte ich noch was schweres in der Hose, nun ist da nichts mehr... Ein prüfender Griff bestätigt, kein Schlüsselbund, weder in der linken, noch in der rechten Tasche. Mist! Durch den Lattenrost sehe ich ein verräterisches Funkeln: die Schlüssel liegen in meinem Keller, der inzwischen abgeschlossen ist. Aber große Verzweiflung kommt nicht hoch! Ich stelle die Kamera auf den Boden und gehe die Nachbarkeller ab. Schnell werde ich fündig: eine lange Stange. Ich ziehe sie nach oben in den Flur und benutze sie zum Angeln. Schon der erste Versuch glückt! Die Schlüssel rutschen die Stange nach unten, genau in meine Hand. Das war ja einfach :D Geocacher können einfach Sachen, die andere nicht können. Schnell stelle ich die Stange wieder ins Eck, nehme die Kamera auf und langsam geht es nach oben.
Schon im Ergeschoss hat die Kamera wieder meine Fritz!Box gefunden. Klar, hat ja auch zwei große Antennen. So mache ich ein Bildchen unseres Haupteingangs: links der Rollator und rechts der Schlitten. Einen Stock höher die Übersicht zu den Parkplätzen. Jetzt hat auch mein Handy wieder WLAN. Vielleicht teste ich mal bei sommerlichen Temperaturen, ob die Kamera sich vom Parkplatz aus verbinden kann. Das wäre wieder sehr cool, denn diese Seite kann ich von meiner Wohnung nicht einsehen.

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