21 März 2015

Kraftwerk Lippendorf

Weithin sichtbar zeigen uns die beiden weiß qualmenden Kühltürme den Weg zum Kraftwerk Lippendorf. Es dauert etwas, bis Mike den richtigen Parkplatz für seinen Bus gefunden hat, doch wir sind zeitig genug losgefahren. Auf dem gesamten Kraftwerksgelände müssen wir einen Helm tragen. Das dient zu unserer Sicherheit und wir werden gleichzeitig als Besucher gekennzeichnet. Hier stehe ich schon auf dem 174m hohen Kühlturm. Unser Glück, dass im Inneren ein Aufzug uns nach oben bringt! Im Besucherzentrum zeigt eine Karte die geographische Lage des Kraftwerkes und auch das Abbaugebiet der Braunkohle. Zusätzlich werden hier die aktuellen Daten der Anlage angezeigt. Wir werden von einem ehemaligem Ingenieur geführt und er hat auf alle Fragen eine passende Antwort. Spannend ist natürlich die Entwicklung im Energiebereich, denn die "grünen" Energien müssen vom Erzeuger abgekauft werden. Die Kraftwerke dienen nur noch dazu, einen Teil der Grundlast und Bedarfspitzen abzudecken. Das führt dazu, dass zu bestimmten Zeiten der Strom ins Ausland verkauft wird und für die Abnahme sogar Geld bezahlt wird. Da müsste ich mal bei meiner nächsten Stromrechnung dran denken. Sollen sie doch froh sein, dass ich Ihnen Strom abkaufe... Auf dem Gelände sind alle Hallen durch Gänge verbunden. Zum einen erspart man sich dadurch lange Wege und schützt die Arbeiter vor Wind und Wetter. Tatsächlich haben wir ja einen kalten Tag zur Besichtigung erwischt und sind froh, sobald wir im Inneren herumlaufen. Der Krankenstand soll dadurch unterdurchschnittlich sein. Die Hallen sind einfach nur riesig! Und zum Teil ist es auch sehr laut, deshalb haben wir alle einen Knopf im Ohr. Die Temperaturen liegen also zwischen knapp über Null Grad im Freien und beinahe 50°C oberhalb der Heizung. Auf dem höchsten Punkt hat man normalerweise eine tolle Aussicht. Wir haben Pech, denn der Nebel zeigt nur die umliegenden Flächen schemenhaft. Oder kommt das etwas vom Qualm der Kühltürme? Aber unser Führer hat uns nicht nur erklärt, dass das Kraftwerk europaweit den besten Wirkungsgrad hat und bei Bedarf auch alleine Sachsen und Thüringen mit Strom versorgen kann, sondern natürlich auch bei den Abgasen vorbildlich ist. Ok, wir können das ja nicht nachprüfen, das glauben wir ihm einfach mal :) Und falls die Luft nicht ganz so sauber ist, dann sind daran garantiert die Nachbarn Schuld! Die haben zwar nicht so große Schornsteine, aber trotzdem qualmen sie fleißig. Das Herzstück der Anlage befindet sich in dieser Kommandozentrale. Die Anlage könnte aber auch von außerhalb gesteuert werden. Am Wochenende arbeiten übrigens nur 20 Personen in zwei 12-Stunden-Schichten. Die Facharbeiter verdienen zwischen 4.000 und 5.500€. Der Vorgesetzte, der zentral in der Mitte des Raumes sitzt, geht mit läppischen 200.000€ im Jahr in den Feierabend. Ich arbeite eindeutig in der falschen Branche!!!

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