07 April 2012

Mittelalter und Wildgatter

Freie Tage und dann nur auf dem Sofa abchillen? Nein! Kaum hatte der letzte Regentropfen seinen Weg in die Pfütze gefunden, krachte meine Wohnungstüre ins Schloß und es ging dorthin. Ups, in Rabenstein steht ja eine Burg und kein Schloss. Dafür sogar die kleinste Burg in Sachsen. Also eine 2,5 Zimmerwohnung mit Treppenhaus. Kein Balkon. Keine Schüssel auf dem Dach. Kein Schnickschnack :)
Doch genau das passte vorzüglich zum Motto der Veranstaltung: Mittelalter! Eine große Holzbadewanne lud zum wolligen Bad in milchiger Flüssigkeit ein. Ziegenmilch vielleicht. Kleopatra fand das damals auch schon toll. Leider ließ niemand die Hüllen fallen, obwohl ich da schon einige Kandidaten entdeckt hatte, die das Wasser bestimmt verschmutzt hätten... Naja, egal, es gab ja auch noch allerhand Handwerkskunst zu bestaunen und auch viele Leckereien zu Essen und Trinken warteten nur auf den geneigten Gast. Ich versuchte mich an heißem Met, sehr lecker und er war bis zum Schluss noch warm. Die starken Männer, die natürlich nur aus den größten Steinkrügen tranken, hatten bestimmt kalten Met im Becher. Wenn sie meinen... Gaukler und Musikanten versuchten ihr Bestes, aber gegen die Nachmittagsmüdigkeit gepaart mit Nüchternheit und immer wieder einbrechenden Schneeschauern ist schwer anzukommen.
Gegen später bin ich dann wieder auf den Heimweg, allerdings wählte ich eine andere Strecke aus, denn zweimal den gleichen Weg laufen ist ja öde. Plötzlich stand ich am Eingangsbereich zum Wildgatter. Jetzt war ich doch neugierig, denn ich hatte es bis jetzt noch nicht geschafft, diese Einrichtung in meiner Nähe zu besichtigen. Super, dass die Türe offen stand und keiner Geld haben wollte. Also schnell rein und nach den Tieren Ausschau gehalten. Ein paar Rehe sprangen rum, das kann ich aber auch bei mir im Wald beobachten. Eine Schar Wisente graste friedlich vor sich hin und ich musste sofort an eine Simpsonsfolge denken, in der Homer alle Wisente erschießt und isst. Zu meinem Bedauern hat meine Handykamera keinen Zoom, den hätte ich jetzt gut gebrauchen können. Ich suchte vergeblich nach irgendwas rotem, um die Viecher näher zu mir zu locken, aber das klappt wahrscheinlich eh nur bei Stieren.
Da es langsam dunkel wurde, der Akku gegen Null ging, flüchtete ich wieder aus dem Gehege und lief über Flügel 3 Richtung Röhrsdorf. Unverhofft stand ich vor einer rot-weißen Absperrung und auf einem Zettel stand deutlich, dass das Betreten des Geländes untersagt ist, weil die Bogenschützen durch den Wald streifen und nicht immer ihr Ziel treffen. So stand das da zwar nicht, aber den letzten Teil des Satzes reimte ich mir zusammen. Von hinten kam aber gerade ein Ehepaar mit Hund, die seelenruhig über die Absperrung kletterten mit den Worten: "wir laufen hier immer so!" Das trifft sich gut, denn den ganzen Weg wollte ich nicht zurück stiefeln und ich ließ meinen neuen Bekannten einfach etwas Vorsprung. Doch nicht passierte, wie langweilig. Die Schützen hatten ihren Wettkampf beendet und erzählten sich bestimmt Jägerlatein am Stammtisch... Der Bär auf dem Foto ist übrigens ungefährlich, da er aus Holz ist und als Zielscheibe diente! Kurz vor den heimatlichen Gefilden scheinte wieder die Sonne und gleichzeit schneite es. Komisch, dachte ich bei mir. Wäre das Regen hätte ich jetzt einen schönen Regenbogen. Aber scheinbar klappt das mit Schnee nicht...

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